Aktuelle Ausstellung in der HAGENRING Galerie: Christine Laprell „Links“

laprell_140427 (51)Köln, Montag, 27. Januar 2014, Atelier Lotharstr.

Gestern hast du mir in deinem Hagener Atelier deine neueren Arbeiten gezeigt, vor allem die großformatigen. Mit ihren unterschiedlichen Weißtönen habe ich sie als außerge- wöhnlich sparsam und hell in Erinnerung. Der Blick konzentrierte sich auf die wenigen Bausteine der Komposition, und daher kommen mir zwei kurze Statements aus den „White Spaces“ des ganz frühen Paul Auster in den Sinn:

1. „Something happens, and from the moment it begins to happen, nothing can ever be the same again.“

2 „Something begins, and already it is no longer the beginning, but something else, propelling us along into the heart oft the thing that is happening.“

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Diese beiden Feststellungen kennzeichnen ziemlich genau die Situation auf deinen Arbeitsflächen: eine Aktion evoziert eine andere, die einzelnen Bild- und Schriftelemente verändern sich permanent und erzeugen dadurch neue Bedeutungen und Sinnzusammenhänge.

In einer deiner letzten Ausstellungen hast du das „transformation“ genannt. Jetzt bezeichnest du das etwas zeitgemäßer mit „LINKS“ (damit ist wohl weniger eine Richtung, sondern eher die Möglichkeit der jeweiligen Vernetzung gemeint). laprell_140427 (4)
Der Betrachter kann mit etwas Vorstellungskraft den Prozess des „Bildwerdens“ rekonstruieren. Immer zeigen deine Bildflächen Spuren von Bearbeitung: Es wird korrigiert, getilgt, verstärkt … bis eine Situation entsteht, die einen „stimmigen“ (ein anderes Wort fällt mir dafür nicht ein) und spannungsvollen Bildbau aufweist.

laprell_140427 (75)Dies ist ein weiterer Wesenszug deiner Arbeit: die Prozesshaftigkeit, die das Produkt zunächst noch gar nicht im Blick hat (das nur als Ergänzung meiner letzten Mail). Durch die vielen Unbestimmtheiten ermöglichst du dem Betrachter eine unbegrenzte Vielzahl von Deutungen, ganz im Sinne von Umberto Eco (zugegeben ein Klassiker ästhetischen Denkens, er hat aber bis heute seine Relevanz nicht verloren…), der das in seinen Ausführungen über das „Offene Kunstwerk“ so formulierte: „Ein Kunstwerk … ist eine geschlossene Form, doch auch offen, kann auf tausend verschiedene Arten interpretiert werden, ohne dass seine … Einmaligkeit davon angetastet würde. Jede Rezeption ist so eine Interpretation und eine Realisation, da bei jeder Rezeption das Werk in einer originellen Perspektive neu auflebt.“

So ist der Arbeitsprozess auch eine Form des „Ordnung-Schaffens“

Holger Schnapp, LINKS und LINKEN
– Gedanken zu den neueren Arbeiten von Christine Laprell

 

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